Thursday, December 04, 2008
Sitemap   
Search
ARTICLE

10.000 kg Milch je Kuh bei über 500 € Cash flow sind betriebswirtschaftlich erreichbar (in German)

Günter Hasert
Published: June 16, 2003
  • A discussion of potential improvements in milk production in Germany
    In German

Im Jahr 2001 wurde nach LKV-Analysen in den 5 NBL eine Durchschnittsleistung (ermolkene Milch) von 7.645 kg erreicht. An der Spitze steht Sachsen-Anhalt mit 7.745 kg, eng gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern mit 7.675 kg (Abbildung 1). Der durchschnittliche Fettgehalt lag bei 4,20 %, der Eiweißgehalt bei 3,45 %. Die Abbildung 1 zeigt die immense Leistungsentwicklung seit 1989. Jährliche Steigerungsraten von teilweise über 300 kg wurden im Durchschnitt erreicht. Das Leistungsniveau der ABL wurde mit Ausnahme von Bremen/Niedersachsen überschritten.

Leistung ist die eine Frage. Viel wichtiger ist, inwieweit man die Kosten im Griff hat. Auf die Frage möchte Prof. Hasert im Ergebnis der 5-jährigen Forschungsarbeit in 7 Referenzbetrieben der Fa. DeLaval (5.330 Kühe) sowie der Beratung von über 40 landwirtschaftlichen Unternehmen im vorliegenden Beitrag antworten.

Differenziertheit im Niveau von Leistung und Kosten wächst

Auf der einen Seite ist der durchschnittliche Leistungsanstieg in der Milchproduktion sehr erfreulich. Betrachtet man im Ergebnis des Betriebsvergleiches die Leistungsunterschiede zwischen den Regionen und Unternehmen, so ist die sich abzeichnende Entwicklung erschreckend.

Wie hoch ist das Ausmaß:

Milchleistung je Kuh 5.800 kg bis > 10.000 kg
Gewinn/Verlust  > 250 € Verlust bis > 300 € Gewinn je Kuh
Färsenaufzuchtkosten  900 € bis > 1.400 €
Arbeitsproduktivität  280.000 bis 720.000 prod. Milch je Ak u. Jahr

Zwischen "Spitzenbetrieben" und "Zurückgeblieben" liegt eine Umsatzdifferenz von bereits über 130.000 € je Ak und Jahr. Dieses hohe Maß der Differenziertheit ist durch betriebswirtschaftlich intensive Arbeit, aber auch durch wesentlich bessere Erfolge bei der Vermittlung von Know how abzubauen. Dies scheint das zu lösende Kardinalproblem. Bildung und insbesondere die Weiterbildung von Anlagenmanagern und Spezialisten muß auf ein wesentlich höheres Niveau gehoben werden. Gleiches trifft für die komplexe Milchproduktionsforschung zu.

Die von uns analysierten Hauptfaktoren für schlechte Leistungen sind in der

Abbildung 2 in sechs Punkten zusammen gefasst. Die Ursachenlage erscheint in den einzelnen Betrieben sehr unterschiedlich. Managementprobleme, die nicht volle Beherrschung einer auf Leistung orientierten Futterwirtschaft sowie Mängel in der Gesundheitsprophylaxe sind in der Regel die zu lösenden Schwerpunktaufgaben. Darin eingeschlossen ist die Einführung eines möglichst optimalen Produktionssystems Milch. Hierzu gehört nicht nur die Erfüllung leistungs- und gesundheitsfördernder Melk-und Fütterungssysteme. Wenn es nicht gelingt, im Ergebnis von Stallsanierungen der Kuh einen optimalen Komfort (Luft, Licht, Liegekomfort) zu garantieren, wird es nur schwer gelingen, Milch mit Gewinn zu produzieren. Das sind Weisheiten, welche man unter Experten nicht mehr diskutieren braucht. Das Problem ist die Frage, warum läßt man diesbezüglich so viel Unzulänglichkeiten  in der Praxis zu.

Wieviel darf die Milch bei 8.000 bis 10.000 kg kosten?

Um diese Frage betriebswirtschaftlich und wissenschaftlich zu beantworten, muß man sich über die Frage des unbedingt zu erwirtschaftenden Gewinns verständigen. Nach unseren Erhebungen und Kostenkalkulationen bei der Beratung wird in den NBL folgender Kapitaleinsatz je Kuhplatz getätigt (im Ergebnis komplexer Sanierungsmaßnahmen):

  • ca.  2.550 € Bau / Technik
  • ca.  1.000 € Färsenkosten
    gesamt  3.500 € je Kuhplatz
  • Natürlich besteht betriebswirtschaftlich die Aufgabe, in jedem Unternehmen maximalen Gewinn je Kuh zu erwirtschaften. Bei einer absoluten Mindestverzinsung des Kapitals von 4 Prozent sind 150 € pro Jahr der betriebswirtschaftlich untere Schwellwert, das sind 2 Cent je Kuh abgelieferte Milch. Im Jahr 2001 mit einem relativen Höchstpreisniveau für Milch (33 bis 35 Cent) sah die Lage für viele Milchproduzenten besser aus als heute. Bleibt zu hoffen, dass nach Rückgang des Preises 2002 die übergroße Mehrzahl der Milcherzeuger nicht wieder zu über 50 % in die "Verlustzone" rutscht.

    Den Lesern der Bauernzeitung sind sicherlich in großer Breite die Ergebnisse der von uns betreuten Referenzbetriebe der Firma DeLaval bekannt (7 Unternehmen mit 5.330 Kühen). Bei diesen Betrieben handelt es sich zu großem Teil aus umgebauten Milchviehbetrieben mit einer Kuhkonzentration zwischen 300 bis 1.900 Kühen je Anlage. Ziel der Forschungsarbeiten in diesen Betrieben ist es, die Möglichkeiten der weiteren Leistungssteigerung zu untersuchen und Möglichkeiten zur weiteren Effektivitätsverbesserung zu prüfen bzw. zu entwickeln. Die Tabelle 1 zeigt zusammenfassend die 2001 erreichten Ergebnisse. Auf die Darstellung der LKV-Leistung wird verzichtet. Bei allen betriebswirtschaftlichen Wertungen wird mit der Milchmarktleistung (abgelieferte Rohmilch mit nat. Fettgehalt) gerechnet. Andere Kriterien sind für die betriebswirtschaftliche Beurteilung uninteressant.

    Im Durchschnitt der 7 Referenzbetriebe (5.330 Kühe) wurden 2001 folgende betriebswirtschaftliche Ergebnisse erreicht:

    • 8.557 kg je Kuh Milchmarktleistung
    • 256 € / Kuh Gewinn
    • 528 € / Kuh Cash flow

    Der beste Betrieb schloß mit einer Milchmarktleistung von 9.804 kg ab. Es wurde ein Gewinn von 392 €/Kuh nachgewiesen. Der Cash flow lag bei über 700 €. Bezieht man die Wertung in den LKV-Abschluß ein, so haben drei Betriebe die 10.000 kg Grenze annähernd erreicht. Die exakte Analyse der Referenzbetriebe zeigte eine wesentliche Differenz im Vergleich der Anlagen. Jeder, der etwas von der praktischen Milchproduktion versteht, weiß, dass dieser Betriebszweig bestimmten Leistungsschwankungen unterliegt. Ein Unternehmen der untersuchten Gruppe mußte auf Grund unterschiedlicher Probleme einen Rückgang der Milchleistung um über 500 kg hinnehmen. Dies drückt den Durchschnitt der untersuchten Betriebe. Auf der anderen Seite sind solche Phasen etwas durchaus Normales.

    Unter dem Strich zeigt sich 2001 folgende Tendenz:

    • die Milchleistung je Kuh wurde weiter in Größenordnungen zwischen 250 bis 600 kg je Kuh gesteigert (3 Betriebe sind an der Grenze von 10.000 kg)
    • wie die Abbildung 3 zeigt, steigt der realisierte Gewinn mit zunehmender Milchleistung
    • vergleicht man den "Block" der 10.000 kg Betriebe mit dem "Block" der 8.000-er, so wird ein Gewinnzuwachs durch weitere Leistungssteigerung von etwa 125 € je Kuh nachgewiesen
    • die ökonomische Beherrschung der Gesundheitsbetreuung bereitet uns nach wie vor größere Probleme. Es ist kein Zusammenhang zwischen Tierarztkosten und Milchleistung  zu erkenne (Abbildung 4)

    Die Bewertung der Erlös- und Kostenstruktur ist in der Tabelle 2 dargestellt. Etwa 3.000 € müssen je Kuh an Erlösen erwirtschaftet werden. 90 % davon bringt die Milch. Futterkosten, Bestandesergänzungskosten und Lohnkosten nehmen fast 70 % der Gesamtkosten ein. Auf diese Kostenarten muß man sich im betriebswirtschaftlichen Kostenmanagement besonders konzentrieren. Selbst im Vergleich der vom hohen Leistungsniveau geprägten Referenzbetriebe zeigt sich außer der Personalkosten

    (ca. 5 Cent) bei Futterkosten eine Differenz von 2,1 Cent je kg Milch und bei Bestandesergänzungskosten sogar von 3,5 Cent (Tabelle 3) Anders ausgedrückt, schlummern in jenem Betrieb mit 12,3 Cent Futterkosten ca. 200 € pro Jahr Möglichkeiten zur Verbesserung des Ergebnisses. Noch deutlich größer sind die Reserven, welche aus der Verbesserung der Bestandesreproduktion erschlossen werden können. Aus unserem konkreten Beispiel heraus berechnet liegen hier die Reserven bei 300 bis 350 € Ergebnisverbesserung je Kuh.

    Zu lösende Probleme sind dabei:

    1. Senkung der Reproduktionsrate
    2. Verbesserung der Jungrinderaufzuchtkosten
    3. Drastische Senkung der Tierverluste (Kälber, Kühe)

    Mit wieviel Cent könnte man das kg Milch produzieren

    Tabelle 4 zeigt unsere Prognose zum möglichen Kostenniveau bei Optimierung aller Produktionsfaktoren.

    In der Literatur gibt es hierzu viele Prognosen. Ein Vergleich ist sicherlich nur unter konkreten deutschen Verhältnissen möglich. Durch unterschiedliche Stützungsmaßnahmen hat sich ein bestimmtes Kostenniveau für Futter eingestellt. Deutlich bleibt sicherlich auch mit Blick auf das Jahr 2005/2010 ein "Hochlohnland". Die Mechanisierung und Automatisierung der Verfahren zur Milchproduktion geht weiter. Bestimmte Grenzen sind durch den biologischen Faktor "Tier" gesetzt. Nach meiner Einschätzung, praktischen Erfahrungen und Kenntnissen, was man in der Verfahrungsentwicklung vor hat, könnten die Orientierungswerte in Tabelle 4 eine gewisse Grundlage für die Strategiebewertung sein. Autoren, welche die Einschätzung wagen, mit 25 Cent und darunter in Deutschland bei Abrechnung aller Kosten (Vollkostenrechnung) produzieren zu können, sind aus meiner Sicht den Beweis schuldig geblieben, wie man das unter kontreten "deutschen Verhältnissen" realisieren kann.

    Fortsetzung folgt im nächsten Heft zum Thema "Strategieentwicklung in der Milchproduktion".

    Tabelle 1

    Kostenvergleich der DeLaval/LUB–Referenzbetriebe 2001

    Position 
      
     
      

    Einheit

    Ist 2001

    Bestbetrieb
    (8 5.330 Kühe)
    von LUB

    Milchmarktleistung

    kg/Kuh

    8.557

    9.804

    Milchgeld/ Monat

    Eur/Kuh

    240

    275

    Milcherlös

    Eur/Kuh

    2823

    3274

    Cent/kg

    33.0

    33.4

    Altkuherlös/ Kälber

    Cent/kg

    2.3

    2.1

    sonstige Erträge

    Cent/kg

    0.1

    0.1

    Gesamterlöse

    Cent/kg

    35.4

    35.6

    Futterkosten gesamt

    11.0

    11.0

    Kraftfutterkosten

    Cent/kg

    7.0

    8.0

    Grundfutterkosten

    Cent/kg

    4.0

    3.4

    Bestandsergänzung

    Cent/kg

    5.0

    6.0

    Tierarzt; Medikamente

    Cent/kg

    Klauenpflege

    Cent/kg

    1.4

    1.2

    Besamung

    Cent/kg

    0.5

    0.4

    Energie/ Wasser

    Cent/kg

    0.8

    0.8

    var.Maschinenkosten

    Cent/kg

    1.2

    1.2

    Gebäudeunterhaltung

    Cent/kg

    0.7

    0.6

    sonstige Kosten

    Cent/kg

    1.2

    0.7

    Personalkosten

    Cent/kg

    5.3

    4.9

    Abschreibungen

    Cent/kg

    2.2

    2.1

    Gemeinkosten

    Cent/kg

    2.2

    2.2

    Zinsen

    Cent/kg

    0.4

    0.3

    Gesamtsumme kosten  Cent/kg

    3.1

    31.6

    Ergebnis

    Cent/kg

    3.1

    4.0

    Cash flow

    Cent/kg

    6.1

    7.3

    Tabelle 2

    Bewertung der Erlös- und Kostenstruktur
    (Referenzbetriebe x  2001)

    Erlöse je Kuh relativ
    1. Milchgeld

    2.823 Euro

    90.9

    2. Altkühe / Kälber

    197 Euro

    3. Sonstige Erlöse

    85 Euro

    9.1

    Insgesamt

    100

    Erlöse je Kuh relativ
    1. Futterkosten

    11.0

    34%

    2. Bestandesergänzung

    5.0

    16%

    3. Lohnkosten

    5.3

    16%

    4. Abschreibungen

    2.2

    7%

    5. Sonstige Kosten

    8.8

    27%

    Insgesamt 32.3

    100%

    Tabelle 3

    Differenziertheit der Kosten je kg Milch
    (im Vergleich der Referenzbetriebe 2001)

    Futterkosten

    10.2 - 12.3 Cent

    Bestandesergänzung 

    3.6 - 7.1 Cent

    Personalkosten 

    4.9 - 6.0 Cent 

    Tabelle 4

    Welche Kosten sind bei Optimierung aller Produktionsfaktoren erreichbar?

    Futterkosten

    10 C/kg Milch

    Bestandesergänzung 

    4.2 C/kg Milch

    Personalkosten  

    4 C/kg Milch

    Abschreibung

    2 C/kg Milch

    Sonst. Kosten

    7.8 C/kg Milch

    Gesamtkosten

     28 C/kg Milch

    Abbildung 1

    Abbildung 2

    Hauptursachen für zu schwache Leistungssteigerung je Kuh

    1) Mangelhaftes Management
    - Qualität Anlagenleiter und Mitarbeiter

    (2)Der Kuhbestand ist nicht gesund
       (Euterkrankheiten, Fortpflanzungsstörungen, Klauen-erkrankungen)

    (3)Mängel in der zielgerichteten Zuchtarbeit und
      Leistungsselektion

    (4)Die Futterwirtschaft hat man nicht im Griff

    • Þ   Bedarfsgerechte Futterproduktion
    • Þ   Futterqualität, gemessen in Krippe
    • Þ   Optimale Rationsgestaltung

    (5)Optimale Haltungsbedingungen und Melk- verfahren noch nicht eingeführt

    (6)    Nicht ausreichende Leistungsmotivation der Ak

    Abbildung 3

    Abbildung 4

     

    Strategie mit Blick auf das Jahr 2010 planen

    Erfolgreiche Unternehmen entwickeln ihre Produktionszweige auf der Grundlage 5 bis 10 - jähriger Vorausplanungen. Das wird heute zum Teil durch nicht stabile Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft erschwert. Trotzdem sollte man sich als unternehmerischer Landwirt nicht entmutigen lassen.

    Der Landwirt wird auch mit Blick in die Zukunft relativ geringen Einfluß auf den Milch- und Schlachtviehpreis haben. Entscheidend bleibt trotzdem die Tatsache, dass jene die besten Überlebenschancen haben, welche ihren Betrieb auf Kostenführerschaft einstellen. Sicherlich wird in diesem Zusammenhang auch die Qualität und Sicherheit des Produktes als Marktwert zunehmende Bedeutung erhalten. Das trifft nicht nur auf die sogenannte "ökologische Schiene", sondern auch auf die Erzeugung aller Nahrungsmittel zu. Die Landwirte und ihre Verbände müssen zukünftig mehr für ihre Lobby gegenüber der Bevölkerung tun. Auf diesem Gebiet ist die deutsche Landwirtschaft gegenwärtig so schwach wie nie zu vor. Ohne Lobby wird es der Landwirtschaft nicht gelingen, die wirtschaftliche Rangstellung zu erreichen, wie es ihr zusteht. Die Arbeit für eine bessere Lobby ist eine der wichtigsten Aufgaben im Kampf um eine höhere Wettbewerbsfähigkeit.

    Wettbewerbsfähigkeit bleibt auch in der Landwirtschaft das oberste Entwicklungsprinzip für die Zukunft. Aus der Sicht der gegenwärtigen und absehbar künftigen Produktionsbedingungen stehen dabei folgende Aufgaben im Mittelpunkt:

    1. Effektive Milchproduktion erfordert die Einhaltung einer bestimmten Mindestkonzentration je Bewirtschaftungseinheit. Hier gelten unter den Bedingungen von Ostdeutschland 200 bis 400 Kühe als unterer Schwellwert. Auch Einheiten bis 2.000 Kühe lassen sich sehr effektiv bewirtschaften, wenn man die Versorgung mit Futter und insbesondere die Entsorgung der Gülle in Form einer effektiven Verwertung im Griff behält. Erste komplexe Untersuchungen zur betriebswirtschaftlichen Einordnung des Melkroboters, welche von der LUB GmbH in Bayern durchgeführt werden, ermutigen zu der Aussage, dass mit funktionssicherer Robotertechnik auch künftig Milchviehanlagen mit 60 bis 120 Kühen sehr effektiv bewirtschaftet werden können. Voraussetzung ist, dass der Preis für diese moderne Technik bei großer Serienfertigung sich den Möglichkeiten der Finanzierung durch die Landwirtschaft anpasst.
    2. In Ackerbaugebieten der NBL, wo vorrangig Milch produziert wird, sind 8.000 kg Marktmilch je Kuh der untere Schwellwert für eine rentable Milchproduktion. Sieben Prozent der milcherzeugenden Unternehmen erzeugen heute bereits über 9.000 kg Milch (vgl. Siegemund/Soer, NL 9/2002 S. 18). 75 Milchunternehmen haben die 10.000 kg Grenze erreicht. Einige streben heute bereits 11.000 kg an.
    3. Die Optimierung des Kostenmanagements bleibt zukünftig das A und O einer effektiven Milchproduktion. Hierzu gehören insbesondere
    • die Kosten aus der Optimierung der Futterwirtschaft
    • die Kosten aus der Optimierung der Bestandesergänzung
    • die Kosten aus der Optimierung der Tiergesundheitssysteme sowie
    • die Optimierung der Arbeitserledigungskosten (auf moderne und wissenschaftliche Arbeitsorganisation und Leistungsmotivation gerichtete Milchproduktion)

    Es muß eine zentrale Aufgabe der Forschung werden, das komplette und optimierte Produktionssystem "Milch" für die spezifischen Produktionsbedingungen Deutschlands zu entwickeln.

    Entscheidende naturwissenschaftliche und technische Voraussetzungen sind in diesem Produktionssystem zu schaffen, um die durchschnittliche Lebensleistung je Kuh wesentlich zu verbessern.

    Sie liegt gegenwärtig in Deutschland bei

    • 2,7 Laktationen/Kuh
    • 23.000 kg Milch/Kuh
    • 2,4 Kälber

    Das darf nicht das Maß der Zukunft bleiben.

    Tiergesundheit muß neuen Stellenwert bekommen

    Höhere Leistungen brauchen wir, um ökonomisch produzieren zu können. Auf der anderen Seite steht die Tatsache, dass die Sensibilität der Kühe mit anwachsender Leistung zunimmt.

    Höchste Aktivitäten sind gefordert

  • a) in der Transitphase (3 Wochen vor Abkalbung)
  • b) in der Abkalbungsphase bis 21. Tag nach der Abkalbung (Frischmelkerphase)
  • Wir brauchen ein komplexes System der Gesundheitsüberwachung. Nur mit gesunden Kühen ist eine gewinnträchtige Milchproduktion möglich. Ohne ein integriertes Gesundheitsmanagementsystem mit absolutem Schwerpunkt "Prophylaxe" werden wir diese Aufgabe nicht lösen.

    Zu lösen sind diese Aufgaben nur durch eine intensive Zusammenarbeit zwischen Anlagenmanager und Tierarzt. Der Tierarzt muß dabei eigenes Engagement entwickeln. Wie die praktischen Erfahrungen zeigen, ist dies in der Regel nur möglich, wenn mit dem niedergelassenen Tierarzt  ein langfristiger Betreuungsvertrag abgeschlossen wird. Dieser sollte neben der exakten Aufgabenstellung eine wirksame Erfolgsbeteiligung bei steigender Leistung sowie Gewinnerhöhung beinhalten.

    Von der LUB GmbH wurden diesbezüglich in den letzten Jahren anwendungsbereite Motivationssysteme erarbeitet und in der Praxis vielfach positiv erprobt. In einigen größeren Wirtschaftseinheiten wird mit gutem Erfolg die unmittelbare Einstellung eines Tierarztes und die Übertragung unmittelbarer Leitungsaufgaben bis hin zur Erfolgsbeteiligung praktiziert. Die beste Lösung scheint wie in der USA zu sein, wenn ein motivierter Tierarzt unmittelbar das gesamte Management in großen Milchviehanlagen übernimmt. Das Motto bei der Erarbeitung von Lösungsvorschlägen lautet: Ohne Tiergesundheit keine hohen stabilen Leistungen und kein ausreichender Gewinn. Damit liegt das Tiergesundheitsmanagement in der Rangliste der Leitungsaufgaben ganz vorn.

    Optimale Futterwirtschaft bleibt die zu lösende Hauptaufgabe

    Futterwirtschaft umfasst die Elemente

    • bedarfsgerechte und effektive Futterproduktion
    • optimale und verlustarme Futterlagerung
    • leistungsgerechter Futtereinsatz

    Bei der Futterproduktion und - lagerung sind aus der Sicht betriebswirtschaftlicher Entscheidungen drei Fragen zu untersuchen und zu beantworten:

    1. Wieviel Nährstoffe produziere ich bei den einzelnen Futterkulturen am Standort?
    2. Was kostet die Nährstoffeinheit aus dem einzelnen Futtermittel ?
    3. Wieviel Gewinn mache ich je ha Futterfläche aus Milch?

    Regional unterschiedlich sind 30 - 50 % der LN Futterfläche. In Ackerbaugebieten steht betriebswirtschaftlich bei der effektiven Flächennutzung die Milchproduktion als Konkurrent zur Getreideproduktion.

    Die absehbare Entwicklung der Rahmenbedingungen wird es nicht mehr zulassen, dass z. B. uneffektive Milchproduktion im Betrieb durch Transfermittel aus der Pflanzenproduktion "am Leben" gehalten wird. Bei einem Kuhbesatz von 2 Kühen je ha Futterfläche sind 150 bis 200 Euro Gewinn je Kuh die absolute Mindestgröße im betrieblichen Wettbewerb zur Getreideproduktion. Der kalkulierte Energieertrag je ha in MJ NEL ist, gerechnet für einzelne Futterkulturen, in Tabelle 1 bei einem mittleren Ertragsniveau dargestellt. Mais bringt mit über 75.000 MJ NEL in der Regel die höchsten Energieerträge. Er sollte auch unter deutschen Bedingungen bei Beachtung der Leistungs- und Gesundheitsanforderungen maximal in der Ration eingesetzt werden. Praktische Erfahrungen zeigen, dass dies bis über 70 % des Grundfutters möglich ist.

    Tabelle 2 zeigt den Kostenvergleich einzelner Futtermittel. Auch hier zeigt sich, dass Mais und Getreide bezogen auf Ct. je 10 MJ NEL zur Zeit die kostengünstigsten Futtermittel in der Milchviehhaltung sind. Sie werden in der Regel unter Beachtung der Ausgleichszahlungen für 8 bis 9 Ct. produziert. Für Anwelksilage muß man dafür betrieblich in der Regel 20 und für Heu sogar 22 Ct. ausgeben. Auch mit Blick in die Zukunft wird man in der Milchproduktion nicht ohne hochwertige AWS auskommen. Diese Bereiche im Ackerbau (Grasland, Luzerne) weiter zu optimieren, bleibt eine betriebswirtschaftliche Aufgabe.

    Wie weiter mit der Fütterung

    Mit der bedarfs- und qualitätsgerechten Fütterung wird der Grundstein für eine hohe Produktivität in der Milchproduktion gelegt.

    Größtes Augenmerk ist hierbei auf die Qualität des Grundfutters zu legen. Verschmutzte Silagen und erwärmte TMR-Mischung müssen der Vergangenheit angehören. Nur beste Qualitäten sind Garant für eine optimale Tiergesundheit und Leistungen.

    Mit einer schlagkräftigen Technik während der Ernte, einer optimalen Silobewirtschaftung und dem zielgerichteten Einsatz von Silierhilfsmitteln sind uns dazu die Möglichkeiten gegeben, die es zu nutzen gilt.

    Lieber 1 Euro mehr in Qualitätssilage investieren, als später 2 - 3 und mehr Euro in Medikamente.

    Ergebnisse aus der Praxis zeigen, dass der Unterschied zwischen ein- und mehrmaligem füttern eher unerheblich ist. Entscheidender sind ein mehrmaliges ranschieben, eine stabile Silage, die ein nacherwärmen verhindert sowie eine Futtermenge, die ca. 5 % Restfutter erlaubt.

    Für Hochleistungskühe haben sich in Schloßvippach hachfolgende Parameter in der Rationsgestaltung bewährt:

    EK MJ NEL/kg TS  

     > 7

    TS 

    26 kg

    Grobfutteranteil 

    > 50 %

    Rohfaser

    > 15,5 %

    struk. Rohfaser 

     > 10,8 %

    xP    < 18 %

    > 17 % d. T.

    nxP    

    > 16,5 % d. T.

    RNB    

    > 35

    Zucker und Stärke

    > 28 % d. T.

    Zucht bleibt Hauptaufgabe einer effektiven Milchproduktion

    Zu dem enormen Leistungsanstieg hat in den letzten Jahren die Zucht beigetragen. Die gesammelten Erkenntnisse und Erfahrungen gilt es hierbei in der Praxis besser und zielgerichteter umzusetzen. Nicht allein die Milchmengenvererbung darf im Vordergrund stehen, sondern Ziel muß die funktionelle langlebige Kuh mit einer hohen Lebensleistung (> 25.000 kg) sein.  Bei der Anpaarung einer Kuh sollten die jeweiligen Stärken und Schwächen im Fundament, Euterform und Körperbau besser berücksichtigt werden und durch den Einsatz des dementsprechenden Bullen mit den jeweiligen Vererbungsmerkmalen dem Ziel "funktionelle langlebige Kuh" ein Stück näher zu kommen. Hier ist das Management gefragt. Der Einsatz von Testbullen gehört aber genauso in eine Hochleistungsherde, um auch zukünftig den züchterischen Fortschritt zu sichern. In der Praxis liegt der Anteil an Besamungskosten in der Regel zwischen 2 und 3 % an den Gesamtkosten. Gemessen an den Möglichkeiten und dem Potential, das man vergibt, sollte hier nicht an der falschen Stelle gespart werden.

    Arbeitsproduktivität weiter verbessern

    Der eingesetzte Arbeitszeitaufwand je Kuh und Jahr schwankt im Vergleich der Betriebe zwischen 30 und 80 Stunden (Grundarbeiten plus Anlagenmanagement).

    In unseren 7 Referenzbetrieben wird gegenwärtig im Durchschnitt bei einem Leistungsniveau von 8.000 bis 10.000 kg Milch je Kuh mit 35 Akh je Kuh und Jahr produziert (Tabelle 3). Annähernd 50 % entfallen hier nach wie vor auf die Milchgewinnung, obwohl modernste Melktechnik (Side by Side, Karussell) eingesetzt werden. Das Jahresarbeitsmaß von 54 Kühen je Ak und 500.000 kg Milch je Ak kann nicht befriedigen. Forschung und Entwicklung müssen sich darauf konzentrieren, in Melkständen und Milchviehanlagen die Arbeitsgänge "Dippen" und "Treiben" weiter zu automatisieren. Nach unserer gegenwärtigen Einschätzung kann damit der Arbeitszeitbedarf von gegenwärtig noch 16 Akh auf unter 10 Akh je Kuh und Jahr im Bereich der Milchgewinnung reduziert werden. Wichtig in diesem Zusammenhang ist das dreimalige Melken betriebswirtschaftlich richtig zu bewerten. Wenn man dabei zu Leistungen über 8.000 kg übergeht, sind Leistungssteigerungen um 10 bis 15 % möglich, wenn die Qualität des Futters stimmt. Positive Effekte sind bezüglich der Eutergesundheit zu erwarten, obwohl sie auch hier nicht automatisch kommen, wenn z. B. Stallkomfort, Futterqualität oder Technik nicht den Anforderungen entsprechen. Man muß jedoch in der betriebswirtschaftlichen Beurteilung berücksichtigen, dass dreimaliges Melken bei ungünstigen Bedingungen im Vorwarte- und Melkbereich zu zusätzlichem Streß für die Kühe führen kann. Der Mehraufwand für Kosten liegt in den folgenden Bereichen:

    • Mehrlohnkosten 38 bis 45 Euro/Kuh
    • Mehrmaschinenkosten 45 bis 75 Euro/Kuh

    Fazit

    Die Milchproduktion hat auch in Deutschland eine Zukunft. Wenn auch die Rahmenbedingungen in ihrer Entwicklung wenig überschaubar bleiben, ist es aus betriebswirtschaftlicher Sicht weiter richtig, auf den Gemischtbetrieb zu setzen und die Kostenführerschaft in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen. Die Optimierung der Stoffkreisläufe Boden - Pflanze - Tier - Boden trägt nicht zur Verbesserung der Umweltfaktoren bei. Richtig organisiert kann diese Entwicklung zu einer wesentlich verbesserten Effektivität sowohl in der Marktfrucht- als auch der Milchproduktion führen. Wie die jetzigen Erkenntnisse zeigen, sind folgende Zielkriterien erreichbar:

    < 30 Akh je Kuh und Jahr
    > 60 Kühe je Ak Jahresarbeitsmaß
    > 500.000 kg Milch je Ak
    > 180.000 Euro Umsatz je Ak

    Tabelle 1

    Energieertrag pro ha in MJ NEL


     
      
    Ertrag
    OS / Grünmasse
    Nettoertrag Silage / OS  TS-Gehalt
    im Futtermittel 
    Energie-menge 
     
     
    dt  dt MJ NEL/ha

    Maissilage

    400  340  30 > 70.000
    AWS v. GL  300  131  35  28.000
    Luzerne (AWS)   400 
    170 
    35 
    34.000

    Futtergetreide 

    90  88 88  62.000

    Tabelle 2

    Kostenvergleich Futtermittel Rinderproduktion (Ct. je 10 MJ NEL)

     

    Ertragsniveau dt/ha 
      
     

    Futterkosten absolut 
     
    Beihilfe abgesetzt Ct. je 10 MJ NEL
     Weide       (extensiv)  

    250

    19

    9

    Feldgras 

    500

    14

     

    Anwelksilage

    300

    20

    Maissilage

    450

    14

    9

    Ganzpflanzsilage

    250

    19

    12

    Heu

    100 

    22

    Getreide

    70

    16

    8

    Tabelle 3

    Arbeitszeitbedarf (Akh/Kuh/Jahr) in den 7 Referenzbetrieben  (5.300 Kühe)

      

    Akh/Kuh/Jahr
    ohne Einstreu  

    relativ 

     Akh/Kuh/Jahr
    mit Einstreu 

    relativ

    Melken
     

    16.1

    46%

    16.1 

    41%

    Füttern

    3,6

    10% 

    3,6

    9% 

    Entmisten /Einstreu

    2.1 

    6% 

    6.1  

    16%

    Kälber, Repro, Tierb. 

    8.3 

    34% 

    8.3 

    21% 

    Anlagenleitg./Dokum 

    4.9

    14%

    4.9

    13%

    Insgesamt

    35

    100 %

    39

    100 %

    JAM                     =   54 Kühe / Ak
    prod. Milch je Ak  ca. 500.000 kg
    Umsatz je Ak:      ca. 150.000 Euro

    MORE INFORMATION
    Print this article
    Email this article
    Unit conversion
    Glossary
    Back to article list